- R&D-Forschende
- 40
- Ideen in der Roadmap
- 12
- Retention über 12 Monate
- +18 %
- Sizilien → Mallorca
- 5 Tage
Ein Pharma-Major-Launch verlangt 18 bis 36 Monate intensiver R&D-Arbeit, danach folgt eine Phase, in der das Team in der nächsten Pipeline-Lücke verharrt. Genau dort verlieren Top-20-Pharmas regelmäßig 5–8 % ihrer Senior-Forschenden — Burnout, Headhunting durch Biotech-Scale-ups, Frustration über Veränderungen der Strategie. Der CSO eines Top-20-Pharmaunternehmens entschied 2024, anstelle der üblichen Post-Launch-Prämie ein Retreat-Format zu testen.
Kontext
Das Team
40 Personen, davon 18 PhD-Forschende auf Senior- und Principal-Level, der Rest Research Scientists und Lab Managers. Geografisch verteilt: 22 in Basel, 12 in Cambridge UK, 6 in Boston. Hauptthemen: Onkologie und Immunologie. Nach dem Launch eines Onkologie-Präparats im Q2 2024 stand die Pipeline-Strategie für die nächsten 18 Monate zur Neujustierung an.
Das Briefing
Der CSO formulierte zwei Bedingungen: erstens kein Konferenz-Setting (keine Vorträge, keine PowerPoints, keine Posters); zweitens Anwesenheit der Mehrheit der Senior-Forschenden im internen Mentoring-Programm in der Folgekohorte. Wir schlugen einen fünftägigen Cruise von Catania (Sizilien) nach Palma de Mallorca vor — vier Häfen, vier Yachten mit je zehn Personen, langsame Reise mit Schwerpunkt auf strukturierten Peer-Gesprächen und Pair-Sailing zwischen den Teams.
Was wir getan haben
Phase 1
Programm-Design
Wir entwickelten ein Format ohne Plenum. Stattdessen tägliche Peer-Trios (drei Forschende, eine Stunde am Morgen), bei denen jede Person fünf Minuten zur eigenen Forschungsfrage, fünfzehn Minuten Diskussion und zehn Minuten Synthese erhielt. Drei Trios pro Yacht, jeden Tag mit anderer Rotation. Am Abend ein gemeinsames Dinner ohne formelle Tagesordnung. Zwei Slots im Programm waren Whiteboard-Sessions am Liegeplatz — moderiert, aber thematisch von den Forschenden bestimmt.
Phase 2
Cruise-Logistik
Vier Bavaria-46-Monohulls mit Skipper und Host. Die Route: Catania → Lipari → Cagliari → Mahón → Palma. Tagesetappen 4–7 Stunden, immer mit einem Lunch-Stopp in einer Bucht. Ein Refrigeration-Container für mitgeführte Forschungsproben (Standard-Container, kein GDP-Cooler, da nicht erforderlich). Medical-Kit auf jeder Yacht plus ein Arzt im Standby in Cagliari (mittlere Etappe). Visa-Unterstützung für drei Forschende aus den USA und Indien organisierten wir vorab.
Phase 3
Wissenschaftliche Substanz ohne Konferenz-Format
Wir setzten ein Prinzip um: kein 1-zu-vielen-Sprechen, alles in Trios oder Paaren. Zwölf Ideen entstanden über die fünf Tage, davon sieben in Trio-Sessions und fünf in Pair-Sailing-Gesprächen, in denen zwei Forschende vier Stunden am Steuer eine Idee gemeinsam ausarbeiteten. Wir dokumentierten alle zwölf Ideen am Schluss-Tag in einem strukturierten Format (One-Pager pro Idee, von den Urheberinnen und Urhebern selbst verfasst) und übergaben sie dem CSO am letzten Abend.
Phase 4
Follow-up
Drei Monate nach der Reise hatten neun der zwölf Ideen einen Owner und ein Quartalsbudget. Sechs Monate später waren acht in einem Frühphasen-Status (Feasibility, Lit-Review oder Preliminary-Experiment). Zwölf Monate nach der Reise: Retention im 40-köpfigen Team bei 100 % (Industrie-Durchschnitt Post-Launch 92 %), Voluntary-Attrition bei Null. Der CSO führte ein Followup-Interview mit 14 zufällig gewählten Personen — alle 14 nannten das Offsite als „mindestens so wichtig wie die letzte Gehaltsanpassung“ für ihre Entscheidung zu bleiben.
“Nach dem Launch eines Präparats verlieren wir traditionell zwei bis drei führende Forschende innerhalb des Halbjahres — sie brennen aus. In diesem Jahr versuchten wir einen anderen Ansatz: statt Prämie fünf Tage auf dem Wasser, ohne Slides und ohne Presentations. Zwölf Monate später lag die Retention im Team 18 % höher als in den Vorjahres-Kohorten. Das ist kein Zufall.”
Fotos vom Programm





Lessons Learned
- Für ein R&D-Team funktionieren formelle Konferenz-Formate kontraproduktiv. PhD-Forschende sprechen täglich auf Konferenzen — ihnen ein weiteres Format dieser Art zuzumuten, wird als Belastung gelesen, nicht als Erholung.
- Trios funktionieren besser als Paare oder Plena. Drei Personen erzwingen, dass die dritte zuhört, statt das Gespräch der zweiten zu dominieren. Über fünf Tage hinweg ergibt das zwanzig hochwertige Gespräche pro Person.
- Pair-Sailing — zwei Forschende vier Stunden am Steuer — ist ein unterschätztes Format. Die physische Aufgabe (Kurs halten) hält das Gespräch in Bewegung, die Pausen zwischen Wenden erzwingen Reflexion.
- Eine Reise (kein Standort-Aufenthalt) ist für ein Post-Launch-Format überlegen. Die Bewegung selbst trägt einen Rhythmus, der Müdigkeit fernhält. Vier Häfen über fünf Tage waren das optimale Tempo.
Finanz-Aufschlüsselung
Budget: 138 000 € für 40 Personen über fünf Tage, 3 450 € pro Person all-in inklusive Flüge zwischen den Basen. Kategorien-Split: Charter der vier Crewed-Monohulls — 39 % des Budgets; Catering und Häfen-Dinner — 18 %; Logistik und Transfers — 14 %; Wissenschaftliche Moderation (zwei externe Facilitators) — 9 %; Versicherung und Hafengebühren — 6 %; Pre-Event-Hotel in Catania und Post-Event-Hotel in Palma — 10 %; Reserve — 4 %.
Achtzehn Monate später
18 Monate nach der Reise wurde der CSO bei einem Industry-Event nach dem Format gefragt. Er antwortete sinngemäß: „Ich kann nicht garantieren, dass jeder von Ihnen unsere Ergebnisse reproduziert, aber ich kann garantieren, dass wir die Reise im nächsten Major-Launch-Jahr wiederholen werden.“ Die zweite Iteration ist für Q3 2026 geplant.



