- Partner
- 80
- Programm
- 4 Tage
- NPS-Anstieg nach dem Event
- +28
- Büros kehren wieder
- 12 von 12
Alle zwei Jahre versammelt eine große internationale Kanzlei ihre Partner-Kohorte zu einem Offsite. Eine lange Tradition: Bis 2024 traf man sich in den Schweizer Alpen, in Ski-Resorts, zwischen Dezember und Februar. Der folgende Case ist ein anonymisiertes Komposit aus drei realen Projekten, die wir zwischen 2023 und 2025 für große internationale Kanzleien durchgeführt haben. Kanzleinamen und individuelle Finanzzahlen stehen unter NDA; die Kennzahlen werden wie aufgezeichnet berichtet.
Kontext
Die Mandantschaft
Eine globale Kanzlei mit 12 Büros auf vier Kontinenten, 2 200 Anwältinnen und Anwälten, darunter 280 Partner. Mandate vor allem EU- und UK-Transaktionen plus wachsende US-Litigation. Die Partner gliedern sich in drei Stufen: zehn Founding Partners, 90 Senior Partners und 180 Junior Partners. Das Offsite läuft traditionell für den gesamten Partner-Track — rund 80 Personen reisen tatsächlich an.
Der Schmerz
Die Managing Partner kam im Dezember 2024 mit einem konkreten Problem auf uns zu. Acht Jahre in Folge fand das Offsite in Ski-Resorts in Gstaad und Chamonix statt. Das Format war operativ exzellent geschliffen: zwei Arbeitstage im Hotel-Konferenzraum, zwei Tage auf der Piste, themengebundene Abendessen. Doch der NPS fiel drei Jahre lang. 2024 lag er bei 41 — der kritischen Schwelle für eine Partner-Kohorte. Die Managing Partner hatte einen McKinsey-Artikel über das Non-Conference-Offsite gelesen und wollte etwas strukturell anderes ausprobieren. Eine Regatta tauchte in einem Gespräch eines Senior Partners auf, der eine Firmenregatta in UK 2022 als bestes Offsite seiner Karriere beschrieb.
Warum wir
Der Discovery Call fand am 18. Dezember 2024 statt. Die Managing Partner formulierte drei Bedingungen sofort: Termin in der letzten September-Woche 2025 (früher unsinnig wegen US-Court-Deadlines), Budget maximal 2 100 € pro Person all-in (ohne Flüge), Format, das sich nicht wie eine Konferenz anfühlt. Wir schlugen eine viertägige Regatta entlang der Côte d'Azur mit Basis in Cannes vor: ein Tag echtes Racing mit Scoring, zwei Tage Cruising mit kurzen Etappen zwischen Estérel und Porquerolles, ein Closing-Tag mit Partner-only-Strategie-Session auf dem Wasser und Abschlussabendessen im Hôtel Martinez. Der Vertrag wurde beim dritten Treffen, zwei Wochen später, unterzeichnet.
Was wir getan haben
Phase 1
Briefing und Route
Discovery dauerte sechs Wochen — lang für ein Offsite, normal für eine Kanzlei dieser Größenordnung. Parallel arbeiteten wir mit den Office Managing Partners aus jedem der zwölf Büros (separate 45-Minuten-Calls), denn Founding Partners aus New York und Senior Partners aus Singapur hatten unterschiedliche Erwartungen. Die Route durchlief drei Iterationen. Die finale Linie: Cannes (Basis) → Saint-Tropez → Porquerolles → Bagur-Bucht → Cannes. Vier Flottenyachten mit je 20 Personen plus ein Komitee-Motorboot für die Regatta.
Phase 2
Logistik
Für 80 Personen hieß das: vier 14-Meter-Katamarane Lagoon 50 mit Skipper und Host, zwei Motor-Support-Boote, ein Komitee-Boot mit Race-Officer und zertifiziertem Sailwave-Scoring. Pre- und Post-Event-Unterkunft war das Hôtel Martinez in Cannes — zwei Nächte vorher, eine Nacht nachher. Transfers vom Flughafen Nizza liefen als fünf Minibusse im 14:00-bis-18:00-Fenster am Anreisetag. Teilnahmedokumente (Sailing-Waivers, Watersport-Versicherung) erhoben wir über das interne Corporate-Legal-Portal der Mandantschaft — ein operativer Gewinn, denn Anwälte misstrauen externen Formularen.
Phase 3
Programm auf See und an Land
Tag 1 war die Regatta. Morgen-Briefing im Hôtel Martinez (eine Stunde), Wechsel zum Vieux Port Cannes, Start um 11:00. Die Strecke verlief 14 Meilen entlang der Küste mit drei Wendemarken. Drei Gewinner (Lifeline-Race, Distanz-Race, Fleet-Race), Pokale am Steg von der Managing Partner überreicht. Tag 2 die Passage nach Saint-Tropez mit Lunch in Pampelonne. Abendessen unter dem Motto „Was ich einem Junior-Partner vor zehn Jahren erzählen würde“ — eine Reflexionsminute jedes Founding Partners. Tag 3 die Passage zu den Porquerolles (Nationalpark, Genehmigungen vorab arrangiert) mit Schnorcheln und SUP. Der Closing-Tag war eine Partner-only-Strategie-Session auf dem Foredeck einer Yacht (zwei Stunden, „Was wir 2026 nicht tun werden“), dann Rückkehr nach Cannes, Disembarkation und Abschlussabendessen im Hôtel Martinez mit Rede der Managing Partner.
Phase 4
Ergebnisse und KPIs
Post-Event-NPS, 14 Tage später erhoben, lag bei 73 (das vorherige Gstaad-Offsite bei 41 — Anstieg um 28 Punkte). Alle 12 Partner-Büros bestätigten die Rückkehr zum Format in 2026 (Gstaad-Rückkehrquote lag bei 7 bis 8 von 12). Zusätzlich führte die Managing Partner eine interne Umfrage durch, ob Senior Associates 2026 zu einem ähnlichen Format eingeladen werden sollen — 84 % der Partner unterstützten die Idee. Erstmals seit acht Jahren befürworteten Partner die Ausweitung des Offsites auf die nächste Stufe. Der Formatwechsel scheint den Partnern den Eindruck gegeben zu haben, dass das Offsite ein Instrument ist und nicht „ein Urlaub, den wir lieber nicht teilen würden“.
“Acht Jahre lang fand unser Partner-Offsite in Ski-Resorts statt. Der Wechsel auf Yachten hat uns etwas gegeben, das die Piste nie geliefert hat — ein Format, in dem ein neuer Partner aus Singapur und ein Senior-Partner aus New York drei Tage Seite an Seite leben und gemeinsam Entscheidungen treffen. Das ist kein Corporate-Retreat, das ist ein operatives Instrument.”
Fotos vom Programm






Lessons Learned
- Das Dokumenten-Format ist für Kanzleien kritisch. Werden Sailing-Waivers von einer externen Stelle vorbereitet, beginnen Partner zu fragen und verzögern die Bestätigung. Wir bauten die Dokumente über das interne Legal-Portal um und hatten alle 80 Personen in 9 Tagen statt der üblichen drei Wochen bestätigt.
- Eine Regatta funktioniert — aber an Tag eins. Sie als Finale aufzusparen, hätte die Partner am Closing-Abend mental erschöpft. Mit der Regatta zuerst war die Energie am Ende sichtbar höher als in Gstaad.
- Eine Partner-only-Strategie-Session auf dem Wasser ist eine Empfehlung, die wir jeder Kanzlei aussprechen. Die Privatsphäre und die physische Isolation — zwei Stunden ohne Internet auf einer Yacht — schaffen ein Format, das kein gläserner Meetingraum bietet.
- Das Hôtel Martinez als Pre- und Post-Event-Basis ist teuer, aber es hat sich rentiert. Partner mit Jetlag aus den USA und Singapur wollen ein echtes Fünf-Sterne-Hotel an der ersten und letzten Nacht. Keine verhandelbare Budget-Position.
Finanz-Aufschlüsselung
Das Budget für 80 Personen über vier Tage betrug 184 000 € ohne Flüge, die die Partner aus persönlichen Reisebudgets trugen. Pro Person ergab das 2 100 € für das gesamte Programm. Kategorien-Split: Charter der vier Crewed-Katamarane — 42 % des Budgets; Unterkunft Hôtel Martinez (zwei Pre-Event-Nächte plus Abschluss) — 21 %; Catering und Abendessen — 16 %; Programm und Race-Management — 7 %; Logistik und Transfers — 6 %; Watersport-Versicherung und Hafengebühren — 4 %; Kontingenz 4 % (teils für ein zusätzliches, von den Founding Partners gewünschtes Abendessen verwendet). Gegenüber Gstaad sanken die Pro-Kopf-Kosten um 11 %, dank Wegfall teurer Skipässe und kompakterer Abendprogramme.
Operative Details, die oft übersehen werden
Eine Kanzlei verlangt von der Operations-Seite des Organisators eine grundsätzlich andere Disziplinstufe, weil jeder Partner jederzeit einen ungeplanten Mandanten-Call erhalten kann, der nicht verschoben werden darf. Wir reservierten daher auf jeder Yacht eine ruhige Workzone mit abgesichertem WLAN (Starlink Mini am Mast) und briefeten die Skipper über mögliche kurze Detours, falls jemand für eine Stunde stabiles Signal brauchte. In den vier Tagen gab es sieben solche Situationen — alle ohne Störung des Gesamtprogramms.
Der zweite Block war das Catering für Partner mit speziellen Diäten. Von den 80 Personen lebten 14 halal, 6 koscher, 4 vegan und 9 glutenfrei. Das mussten wir über zwei parallele Caterer in Cannes und ein dediziertes Provisioning in Saint-Tropez lösen. Zusätzlich reisten 22 Personen mit Partnerinnen oder Partnern, die am Abschlussabendessen teilnahmen — also 22 zusätzliche Einladungen und eine Umsortierung des Sitzplans im Hôtel Martinez. Genau das trennt ein operativ solides Offsite von einem formal solchen.
Neunzig Tage später
Drei Monate nach dem Offsite bat die Managing Partner um einen Post-Event-Review. Wir führten 20-Minuten-Calls mit 14 zufällig gewählten Teilnehmenden — Standard unserer Methodologie für große Corporate-Programme. Acht von 14 erwähnten, dass die Reise neue Arbeitsbeziehungen zu Partnern anderer Büros eröffnet habe; in drei Fällen führte das zu gemeinsamen Mandanten-Pitches, die ohne die Regatta nicht stattgefunden hätten. Keine Kennzahl für den Geschäftsbericht — aber genau die Art Ergebnis, derentwegen ein Partner-Offsite existiert. Cross-Office-Collaboration ist ein realer, messbarer Effekt eines Formats, in dem Partner aus zwölf Büros vier Tage Seite an Seite leben.



